3. Mai 2017

sieben

Manchmal nagt ein großer Zweifel an der Menschheit an meinem Inneren. Tatsächlich war das mein großes Thema in der Pubertät. Regelmäßig brach ich bei der Tagesschau in Tränen aus, weil ich voller Verzweiflung dachte: "Warum tun sich Menschen so etwas gegenseitig an?!?"

Auch heute noch ist dieser Gedanke leider sehr häufig präsent. Nicht nur bei großen, weltbewegenden Dingen.
Ein Beispiel einer kleinen Situation:

Ich gehe durch unser Dorf. Die Fußwege sind hier sehr schmal. Die Autos fahren also recht dicht an den Fußgängern vorbei. Ich achte nicht auf das Auto, was mir entgegen kommt, bin in Gedanken versunken. Auf einmal werde ich aus dem vorbeifahrenden Auto angeschrien. Der Beifahrer hatte sein Fenster runtergekurbelt und mich angeschien. Einfach so. Da das Auto so dicht am Fußweg vorbei fuhr, hat er mir quasi ins Ohr geschrien. Ich kannte das Auto nicht, den Menschen habe ich nicht gesehen. Ich erschrak sehr, mein Herz pochte wie wild, mein ganzer Körper erstarrte durch diesen plötzlichen, Sinn-losen Lärm. Bevor ich irgendwie reagieren konnte, was das Auto schon wieder weg.
Und zurück blieb der Gedanke: "Warum bloß?!? Warum macht jemand sowas???"

Ich versuche bei diesen kleinen und nur mich betreffenden Dingen nicht mehr zu verzweifeln, sondern mit einem großen HÄÄÄ?!? darauf zu reagieren - das lässt mich nämlich eher über diese Situationen und diese Menschen schmunzeln.

Bei den großen, wichtigen Dingen finde ich ein bißchen Verzweiflung manchmal gar nicht schlecht, denn sie kann auch ein Motor sein - um aus der Verwzeiflung heraus zu kommen und stattdessen etwas zu tun.


Diesen Aufnäher hat Frau Jule gemacht.

 

Kommentare:

  1. Manchmal ist es wirklich schwer, nicht zu verzweifeln. Aber ich finde es gut, dass du das bei den kleinen Dingen so gut wegschieben kannst.
    Die Beifahrer-Sache find ich aber auch beim Lesen reichlich krass. Ich mein, es ist halt leider auch ein bisschen gefährlich, Leute so nah am Straßenrand zu erschrecken...

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Ja, wenigstens bei den kleinen Dingen klappt das schon ganz gut.
      Und bei dem beschriebenen Beispiel fehlen mir auch einfach die Worte. Mehr als ein "Hääää?" oder "Warum???" bekomme ich dazu nicht raus.
      Liebe Grüße
      Antje

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  2. word!!!
    man könnte jetzt auch mit schlauen erklärungen aus der berhaltensgestörtenpädagogik kommen, bei der ja das vermeintlich "falsche" handeln für die betreffenden sinn machen, weil... aber ich lass es. *hust*
    liebe grüße,
    jule*

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    1. Ja, natürlich, eine Erklärung gibt es immer. Ändert aber nichts daran, dass es Vollpfosten gibt, die viel zu oft auf Kosten anderer Spaß haben müssen. Und ich mag nicht immer alle in Schutz nehmen. *mööööp*
      Liebe Grüße
      Antje

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  3. Was war das denn für eine Aktion bitte, echt krass, weiss man doch nie ob der Erschreckende nen Herzfehler oder was hat. Sowas macht man einfach nicht.
    LG,
    Petra

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